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Nachruf
Chemiker Univ.-Prof. em. Dr. Günter Wulff ist verstorben (1935-2023)

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf trauert um Univ.-Prof. em. Dr. Günter Wulff, der von 1979 bis 2000 Inhaber des Lehrstuhls für Makromolekulare Chemie war. Er verstarb am 11. Dezember 2023 im Alter von 88 Jahren.

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Univ.-Prof. em. Dr. Günter Wulff, von 1979 bis 2000 Inhaber des Lehrstuhls für Makromolekulare Chemie und von 1991 bis 1992 Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, verstarb am 11. Dezember 2023 im Alter von 88 Jahren. (Foto: privat)

Günter Wulff wurde am 19. Februar 1935 in Hamburg geboren. Er studierte Chemie in Hamburg und wechselte zur Promotion an die Universität Bonn. 1963 erhielt er dort seinen Doktortitel für eine Arbeit zu Isolierung, Strukturaufklärung und Synthese von Glycosiden. Er habilitierte ebenfalls in Bonn und lehrte dort anschließend auch als Professor. Im Jahr 1979 berief ihn die Universität Düsseldorf auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Makromolekulare Chemie, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 innehatte.

Prof. Wulff prägte das Forschungsgebiet der Makromolekularen Chemie nachhaltig, er war der Entdecker der „molekular geprägten Polymere“. Diese üben bezüglich Aktivität und Spezifität eine enzymähnliche Wirkung aus. Im Jahr 1992 publizierte und patentierte er das grundlegend neue Verfahren des „molecular imprinting“. Diese weltweit beachtete Methode führte in der Folgezeit zu zahlreichen Anwendungen, unter anderem als Enzymnachahmungen, selektive Katalysatoren und Chemosensoren. Weiterhin untersuchte er mit seiner Düsseldorfer Arbeitsgruppe die für die Stereochemie wichtige Hauptketten-Chiralität in Polymeren und beschäftigte sich mit der Nutzung nachwachsender, kohlenhydratbasierender Rohstoffe als Ausgangsmaterialien für die Polymerchemie.

Für seine Arbeiten wurden Prof. Wulff zahlreiche Preise und Ehrungen zuerkannt. Die Europäischen Kommission und des Europaparlaments verliehen ihm den CEREAL-Preis, er erhielt die Havinga-Medaille der Universität Leiden und der Royal Netherlands Chemical Society (1997) und die Mitgliedschaft in der International Union of Pure and Applied Chemistry (1982-1995). Außerdem war er Mitglied in den Kuratorien renommierter Fachzeitschriften, unter anderem der „Angewandten Chemie“ (1995-2005).

Auch in der akademischen Selbstverwaltung engagierte sich Wulff. Neben verschiedenen Ämtern diente er von 1991 bis 1992 als Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der HHU.

Bei seinen Studierenden, Promovenden, Kolleginnen und Kollegen war Prof. Wulff hochgeschätzt. Er bereitete vielen Nachwuchswissenschaftlern den Weg. Er war stets freundlich und wohlwollend, gradlinig und bodenständig und von einem hanseatischen Understatement geprägt. Die Heinrich-Heine-Universität wird Günter Wulff als prägenden Forscher, überzeugten akademischen Lehrer und engagierten Vertreter der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät ein ehrendes Andenken bewahren.

Zum ausführlichen Nachruf von Prof. Dr. Manfred Braun auf den Seiten der Chemie.

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