Zum Inhalt springenZur Suche springen

Aktuelles Detailansicht

Europäische Spitzenforschungsförderung
HHU-Evolutionsbiologe Prof. Dr. William Martin erhält dritten ERC Advanced Grant

Zoom

Prof. Dr. William Martin vom Institut für Molekulare Evolution wird zum dritten Mal mit einem ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats gefördert. (Foto: HHU / Verena Zimorski)

Prof. Dr. William Martin will die Entstehung des Lebens auf der Erde vor rund vier Milliarden Jahren besser verstehen. Der Grundgedanke seiner Forschungsarbeiten: Auch heute noch sind Spuren der chemischen Umgebung, in der das Leben entstand, im Stoffwechsel moderner Zellen zu finden. Um diese gut versteckten Spuren zu finden, bedarf es der richtigen „Lupe“: Für Prof. Martin ist dies die chemische Energie, die das Leben vorantreibt: „Leben ist eine chemische Reaktion, die Energie freisetzt; hierzu es gibt es keine Ausnahmen.“ 

Um Licht ins Dunkel der Lebensentstehung zu bringen, setzen der Düsseldorfer Evolutionsbiologe und sein Team bei der zentralen Rolle der Energieumsetzung im zentralen Stoffwechsel an. Der rote Faden, der sich durch die Studie und ihre in drei Richtungen stoßenden Projektbereiche zieht, ist die Rolle der Enzyme: Jener Katalysatoren des Lebens, die chemische Reaktionen beschleunigen und begünstigen, die aber von Natur aus auch von alleine ablaufen können.

Im ersten Projektbereich soll die energetische Landschaft des Urstoffwechsels vermessen werden. Gesucht wird nach Spuren der geochemischen Umgebung, in der das Leben entstand. Hier können Art und Anzahl der chemischen Reaktionspartner, aus denen die Zellen ihre Substanz gewinnen, aber auch die pH- und Temperaturabhängigkeit dieser Reaktionen, Aufschluss geben.

Im zweiten Projektbereich geht es um die Fähigkeit von einfachen, in Hydrothermalquellen vorkommenden Mineralien, für Enzyme in Reaktionen des Stoffwechsels einzuspringen. Prof. Martin will weiterführende Information über abiotische Katalysatoren für die Reaktionen des Urstoffwechsels gewinnen und somit auch über den möglichen Ort der Lebensentstehung.

Im dritten Teil geht es schließlich darum, den Weg nachzuzeichnen, den die ersten Zellen genommen haben, als sie den Ort ihrer Entstehung verließen und damit selbstständig wurden. Eine wichtige Rolle hierbei spielten bestimmte Elektronenüberträger: proteingebundene Formen des eisenhaltigen Kofaktors Häm – unser Blutfarbstoff –, die sogenannten Cytochrome. Prof. Martin wird der Ökologie der Entstehung dieser Stoffe nachgehen.

Im Vordergrund aller Projektbereiche steht die Chemie der Hydrothermalquellen, die in Prof. Martins Theorie zur Lebensentstehung eine zentrale Rolle einnehmen. Sein Modell ist mittlerweile Stoff moderner Lehrbücher der Mikrobiologie. Seine ersten beiden Advanced Grants beschäftigten sich mit Netzwerken als Modelle für das Verständnis des Evolutionsprozesses (2009–2013) und mit der Nutzung von Informationen aus ganzen Genomen, um den Verlauf der frühen Evolution zu rekonstruieren (2015–2020). Sein dritter ERC-Grant befasst sich nun mit der Natur der Energie, die die ersten chemischen Reaktionen des Lebens antrieb.

Prof. Dr. Dr. Andrea Icks, Prorektorin für Forschung und Transfer der HHU, beglückwünscht Prof. Martin zu seinem außerordentlichen Erfolg: „Mit dem ERC Advanced Grant werden nur wenige Spitzenforscherinnen und -forscher ausgezeichnet. William Martin erhält die Würdigung bereits zum dritten Mal und gehört damit zur absoluten internationalen Spitzenriege seines Fachs. Wir sind stolz, eine solche Forscherpersönlichkeit an der HHU zu haben.“

ERC Advanced Grant

Der European Research Council ist die Förderorganisation für grundlagenwissenschaftliche Spitzenforschung der Europäischen Union. Sie ermutigt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der EU, in wettbewerblichen Verfahren ihre Vorschläge für neue Forschungsprojekte einzureichen. In verschiedenen Förderlinien werden sowohl Nachwuchswissenschaftler als auch etablierte Forschende angesprochen.

Die ERC Advanced Grants zielen auf etablierte, aktive Wissenschaftler mit einer herausragenden Leistungsbilanz. Bei der Begutachtung der wissenschaftlichen Leistung sind die letzten zehn Jahre vor der Antragstellung maßgeblich. In die Bewertungen gehen Publikationen in internationalen Zeitschriften, Patente, Konferenzbeiträge, Forschungspreise und Akademiemitgliedschaften ein. ERC Advanced Grants werden in der Regel mit maximal 2,5 Millionen Euro für eine bis zu fünfjährige Laufzeit gefördert. Projektanträge werden in einem mehrstufigen Peer Review-Verfahren von unabhängigen Experten allein auf Basis der wissenschaftlichen Exzellenz bewertet.

Die besondere Auszeichnung, einen ERC Advanced Grant zu erhalten, dokumentiert auch die Erfolgsquote: Sie lag bei der aktuellen Ausschreibung bei rund 7,5 Prozent.

Autor/in:
Kategorie/n: Schlagzeilen, Pressemeldungen, Auch in Englisch, Math.-Nat.-Fak.-Aktuell, Forschung News, Forschung Personalia, Forschungsnews Englisch
Verantwortlichkeit: