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Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Dr. Anne Seidlitz zur W2-Professorin für Pharmazeutische Technologie an der HHU ernannt

Prof. Dr. Anja Steinbeck, Rektorin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), ernannte heute die Pharmazeutin Dr. Anne Seidlitz zur W2-Professorin für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie. Seidlitz erforscht zum einen individualisierte Darreichungsformen für Medikamente und zum anderen Möglichkeiten, die Freisetzung von neuen Wirkstoffen im Organismus vorab zu simulieren.

Dr. Anne Seidlitz wurde am 28. September 2021 zur W2-Professorin für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie an der HHU ernannt. (Foto: privat)

Damit der Wirkstoff eines Arzneimittels im Körper optimal wirken kann, muss er aus der Arzneiform – zum Bespiel der Tablette – freigesetzt werden und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung stehen. Da die Wirkstofffreisetzung am lebenden Organismus („in vivo“) nur mit erheblichem Aufwand untersucht werden kann, wird diese typischerweise zunächst im Labor („in vitro“) untersucht.

In der präklinischen Entwicklung werden solche biorelevanten In vitro-Untersuchungen unter anderem eingesetzt, um die vielversprechendsten Arzneimittelzusammensetzungen für spätere klinische Studien am Menschen zu identifizieren. Somit ist es besonders wichtig, dass diese vereinfachten Tests eine möglichst präzise Abschätzung der Wirkstofffreisetzung beim Patienten erlauben.

Prof. Dr. Anne Seidlitz entwickelt mit ihrer Forschungsgruppe neue, praktisch einsetzbaren Testmethoden, mit denen die Situation am Applikationsort beim Patienten vereinfacht simuliert werden kann. Sie konzentriert sich dabei auf nicht-orale Darreichungsformen und insbesondere Implantate.

Ein weiterer Schwerpunkt von Prof. Seidlitz‘ Forschungsarbeit sind 3D-gedruckte Darreichungsformen. So gedruckte Medikamente eignen sich besonders für die individualisierte Medizin. Zum einen können gedruckte Medikamente präzise auf die für den Patienten notwendige Wirkstoffdosis und Freisetzungsgeschwindigkeit eingestellt werden.

Zum anderen ermöglicht die Technik individuell geformte Darreichungsformen. Mögliche Anwendungsfelder erläutert die neue HHU-Professorin: „Wir arbeiten mit unseren Partnern an individualisierten, mit Medikamenten beladenen Implantaten für unterschiedliche Körperöffnungen. Diese sollen zum Beispiel in die Nasenneben- und Stirnhöhlen oder die Rundfensternische im Ohr eingelegt werden, um dort über längere Zeit kontinuierlich Wirkstoffe zur Behandlung von chronischen Nebenhöhlenentzündungen oder Innenohrerkrankungen freizusetzen.“  

Zur Person

Anne Seidlitz (geboren 1979 in Hannover) studierte Pharmazie an der Universität Greifswald (2003: Diplom und 3. Staatsexamen mit Approbation zur Apothekerin). Im Jahr 2009 promovierte sie ebenfalls in Greifswald mit der Arbeit „Entwicklung eines In vitro-Modells zur Untersuchung der Wirkstofffreisetzung und -verteilung aus Arzneistoff-freisetzenden Stents“, es folgte ebendort die Habilitation (2015).

Während ihrer Greifswalder Postdoczeit, in der sie dort eine Arbeitsgruppe am Fachbereich Biopharmazie und Pharmazeutische Technologie leitete, übernahm sie auch zwei Vertretungsprofessuren, an der Universität Hamburg (2016-2017) und der Universität Jena (2020-2021). Zum 1. Oktober 2021 wurde Seidlitz zur W2-Professorin an der HHU berufen.

Die Forschungsschwerpunkte von Prof. Seidlitz liegen zum einen in der Entwicklung von Herstellungstechnologien und Formulierungen für feste Darreichungsformen und zum anderen in der Simulation von physiologischen Bedingungen im Rahmen von biorelevanten Freisetzungsuntersuchungen. Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichte sie in bisher mehr als 30 wissenschaftlichen Papers, teilweise in renommierten Zeitschriften wie dem European Journal of Pharmaceutics and Biopharmaceutics. Seidlitz erhielt unter anderem den 1. Preis für Pharma-Technik des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (2014) und den „Greifwald University Club Junior Research Award 2015“.

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Kategorie/n: Schlagzeilen, Pressemeldungen, Math.-Nat.-Fak.-Aktuell, Pharmazie, Forschung Personalia
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